aktuelle veranstaltungen

Im WS 2019/2020 lehre ich an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt das Seminar:
Was können Mad Studies für Sozial- und Inklusionspädagogik bedeuten?

Psychiatrische Verständnisse, die einige Menschen und Verhalten als Norm definieren und andere von der Norm verRücken, werden meist als natürlich und gegeben verhandelt. Arbeiten aus Mad Studies, Psychiatriekritik und Antipsychiatrie zeigen, dass dies keineswegs unangefochtene und einzige Wirklichkeiten sind, sondern machtvolle Verständnisse/Konstrukte, die wir in unterschiedlichen Kontexten gesellschaftlich erlernen. Damit zusammenhängend entwickeln sich in diesem Forschungsfeld widerständige und empowernde Selbstverständnisse und alternative Formen der gegenseitigen Bezugnahme und Unterstützung in Krisen, als auch eine kritische Auseinandersetzung mit psychiatrisch-psychologischen Verständnissen und Strukturen.

Mit den Psychiatriereformen der 70er, 80er und 90er Jahre haben sich institutionell-psychiatrische Strukturen in zunehmend sozialpsychiatrische (ambulante und gemeindepsychiatrische) Netzwerke verändert und sind zu einem wichtigen Gegenstand von Sozialer Arbeit und sozialpädagogischen Arbeitsfeldern geworden. Auch darüber hinaus finden sich psychiatrisch-psychologische Verständnisse in außerinstitutionellen und sogar alltäglichen und alltagssprachlichen Verhandlungen. In dem relativ neuen Forschungsfeld der Mad Studies, welche sich primär aus psychiatriebetroffenen und verRückten Bewegungen formten, werden diese Veränderungen teilweise kritisch betrachtet. Einerseits gingen durch die Reformen jahrelange, oder gar lebenslange Institutionalisierung und direkte körperliche Gewalt über Fixierungen und Elektroschock›therapien‹ zurück. Andererseits wird die mit den Reformen zusammenhängende Einführung sozialpsychiatrischer Netze – und damit zusammenhängende ambulante, oder aufsuchende Hilfe und Zunahme von Medikamentalisierung – auch als Ausdehnung psychiatrisch-psychologischer Kontrolle und Einflussbereiche kritisiert.

Durch das Seminar verstehen die Teilnehmer*innen unterschiedliche Ansätze von Mad Studies: die Kritik (sozial)psychiatrischer Zusammenhänge, die Suche nach empowernden Selbstverständnissen und die Gestaltung alternativer Bezugs- und Unterstützungsstrukturen. Sie bringen diese zusammen mit den Feldern der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogik und Inklusion und können dies anwenden auf die Reflektion der eigenen Arbeit in den Bereichen. Gleichzeitig erlernen die Teilnehmer*innen differenziertes und wertschätzendes Lesen und Diskutieren von unterschiedlichen Wissensformen (theoretische Texte, aktivistische Forderungen und eigene Erfahrungen).

Link zum Seminar


Vortrag auf der ALTER-Konferenz in Köln

5./6. September 2019

The (De)pathologiziation of Trans*Identity: Envisioning Trans_Mad_Disabled Politics of Solidarity

The (de)pathologization of trans* identity gained growing media attention with the revision of the DSM in 2013 and the ICD in 2018. Psychopathologization is present in discourses around trans* identity on many different levels. Sometimes ‚mental disability‘/ Madness and trans* identity are discussed as synonymous, sometimes as causally determinative (working in both directions) and sometimes in clear differentiation to each other. Trying to grasp these different discourses, I work with discourse analysis based on the sociology of knowledge approach to discourse (Keller, Rainer 2005) and autoethnography (Ellis, Carolyn 2004) using trans*specific diagnoses in the Diagnostic and Statistical Manual of Mental Diseases (DSM) and the International Classification of Deceases (ICD) since 1980; trans*activist statements and reports (as ex. GATE 2011); newspaper articles and my own reflections as part of trans* and Mad movements.

These analysis show that especially in media, news discourses and fictional representations trans* identity and gender variance has a long history of being labelled ‚(mentally) disabled‘ – and as a result being constructed as dangerous and criminal. Medical discourses long understood (and partially still understand) trans*identities as part of psychiatric diagnoses, while listing several other psychiatric diagnoses as differential diagnosis to trans*specific diagnoses. Meanwhile activist narratives around trans* depathologization often clearly distance trans* identity from other (psycho)pathologized groups, arguing that trans* identity is ‚wrongfully‘ considered a mental disability in differentiation to ‚real mental disabilities‘. I argue that these narratives reproduce stigmatizing and naturalizing images around Madness and disability and further that they vastly ignore the realities of Mad and disabled trans* positions.

Working with the radical model of disability by A.J. Withers I want to envision a trans* movement in solidarity with (wider) Mad and disability movements rather than in clear differentiation to it, specifically looking for narratives and actions of solidarity within claims for the depathologization of trans*identity.

Link zu der Veranstaltung

 


Buchvorstellung: Gegendiagnose II auf den Linken Buchtagen Berlin
18. Mai 2019 14:00

WO: Im Clash, Gneisenaustraße 2a, Berlin.

Der Band umfasst emanzipative Perspektiven zu Antipsychiatrie und Psychologiekritik und verbindet Erfahrungsreflexion mit theoretischen Auseinandersetzungen.

Buchvorstellung mit:

Herausgeber_innenkollektiv:
Cora Schmechel, Esto Mader, Kim Kawalska und Alex Steinweg

Beiträge:
Robin Saalfeld: Von ›Zwischengeschlechtlichkeit‹, Störungen der Geschlechtsidentität und Geschlechtsdysphorie. Beschreibung einer Genealogie der Transsexualität als Emanzipationsversuch

Nello Fragner: Zwischen den Knallen wachsen zarte Pflänzchen. Zu Depression und (den Versuchen von) Positionierung

Caro von Taysen: Mein Ausstieg aus der »professionellen Neutralität«. Vom Umgang mit Machtverhältnissen in der psychosozialen Arbeit

Eliah Lüthi: PsychGewalt_ig: Psych(iatrische) Gewalt als Diskriminierungsstruktur verstehen.

Link zur Veranstaltung


Disability Studies Konferenz Berlin: Zwischen Emanzipation und Vereinnahmung. 19.-21. Oktober 2018

Ich freue mich sehr auf diese Tagung zu Disability Studies im deutschsprachigen Raum und darf an zwei Programmpunkten aktiv mitwirken:

Samstag, 17:00 [Mad Studies Podium]

Es ist Zeit das Mikroskop zu wenden. Lasst uns nicht mehr diejenigen untersuchen, welche als verRückt oder psychisch krank gelten, sondern die Norm, die uns so herstellt. Lasst uns durch Mad Studies unsere eigenen Fragen, Forschungen, Bezugnahmen und (Selbst-) Verständnisse schaffen. (in Anlehnung an Lucy Costa 2014)

Es diskutieren:
Mai-Anh Boger (Universität Bielefeld)
Felix Henneberg (Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener)
Grietje Keller (Stiftung Perceval Amsterdam)
Nicole Meyer (Universität Hamburg)

Moderation: Eliah Lüthi (Universität Innsbruck)
Organisation: Franziska Hille (Universität Innsbruck); Eliah Lüthi (s.o.)

Samstag, 11:00 Präsentation: Psych-Gewalt_ig : Psych(iatrische) Zusammenhänge als Diskriminierungsstruktur verstehen

Mit dem Konzept Psych-Gewalt schlage ich ein Verständnis von Psychiatrie vor, welches über psychiatrische Institutionen und sozialpsychiatrische Netzwerke hinausgeht. Damit schließe ich an, an aktivistische und anti-psychiatrische Verständnisse von psychiatrischer Gewalt und englischsprachige Verhandlungen um saneism/mentalism, insbesondere aus Mad Studies. Ich verstehe Psych-Gewalt als strukturelle Gewalt, die einige Menschen und Verhaltensweisen von der Norm verRückt und als verRückt herstellt. Diese findet sich ebenso im Psychiatriealltag, als auch in Familien, gesellschaftlichen Verhaltens- und Gefühlsnormen, Kindergeschichten und Alltagssprache. Dabei unterscheide ich Psych-Gewalt in vier unterschiedliche Elemente: flüssige, feste, zwischenmenschliche und verinnerlichte Gewalt. Diese Unterteilung ist unter Anderem informiert durch Konzepte von epistemischer Gewalt (Liegghio, Spivak),  struktureller und symbolischer Gewalt (Galtung, Bordieu), interpersoneller Gewalt, Verinnerlichung/Selbstregulierung (Foucault). In diesem Vortrag veranschauliche ich diese Unterscheidung anhand eigener Erfahrungen und Beobachtungen in psychiatrischen und sozialpsychiatrischen Institutionen. Intersektionale Verknüpfungen, insbesondere mit geschlechtsbasierter Diskriminierung und Rassismus sind dabei zentral in der Analyse. Mein methodisches Vorgehen ist informiert von diskusanalytischen, autoethnographischen und theoretischen Vorgehen, wobei ich deren Rahmenbedingungen kritisch herauszufordern versuche. Ich nutze diese Methoden mit dem Ziel von Mad Studies, welches Lucy Costa beschreibt, als „turning the microscope“. In diesem Falle bedeutet es, dass ich psychzentrische Strukturen beobachte und analysiere und nicht jene, welche durch diese Strukturen verAndert und von-der-Norm-verRückt werden.

Programm


Präsentation: Dismantling psy-walls inside and out
16.-18. Juni 2018

WO: Auf der Internationalen Konferenz zur Abschaffung von Bestrafungssystemen (ICOPA 2018) an der Birkbeck University, London.

In this (interactive) performance, containing a spoken word and a short handicraft exercise we create our own rose garden/ Mad utopia, in reference to the book by Hannah Green. How can we re-connect with our (Mad) selves? And others? How can we overcome stigmatizing images, inner and outer psy-walls? How can we find new words and (self-)images, which arise from love and connection, rather than (self)alienation?

In this piece, I invite the participants on a continuous journey trying to overcome societal and self-images that render Mad people unlovable and dangerous. I understand these images as extensions of psychiatric institutions reaching far into (Mad) communities and self-perceptions. On this journey I question and analyse the complex workings and influences of psy-perspectives and imagine connections and solidarities – to ourselves and others – as forms of resistant practice.

Welcome

PEOE: Abend mit Vortrag von Eliah Lüthi, Universität Innsbruck
18. Mai 2018

WO: Beim Verein Psychiatrieerfahrene Österreich

Am 18. Mai gibt es einen offenen und inklusiven Vereinsabend mit Eliah Lüthi, Universität Innsbruck. Eliah gibt einen kurzen Impuls das Thema „Mad Studies“ mit anschließender Diskussion. Abschließend gibt es beim lockeren Beisammensein einen Abendausklang.

Link zur Veranstaltung


Mad Studies: Wie können wir Psychiatrie verlernen?
Stand auf der Langen Nacht der Forschung, 13. April 2018:

WO: Universität Innsbruck, Campus Innrain / Geiwi-Turm u. Bruno-Sander-Haus

Psychiatrische Verständnisse, die einige Menschen, Verhalten und Fühlen als Norm definieren und andere von der Norm verRücken, werden meist als natürlich und gegeben verhandelt. An diesem Stand fragen wir gemeinsam mit der Forschungsrichtung Mad Studies: Wie und wo lernen wir psychiatrische (Welt)Verständnisse? Wie hängen diese zusammen mit weiteren Machtverhältnissen? Wie können wir diese ver_lernen?

https://www.langenachtderforschung.at/2018/stationen.html?group_id=15555&page=stationen

 

 


Gespräch bei das mensch. gender_queer auf freirad.

Am Donnerstag 8. Februar 2018 bin ich bei der Sendung das mensch. gender_queer zu Besuch. Die Sendung könnt ihr hier nachhören: https://cba.fro.at/359963

psychiatrisches verRücken verlernen mit eliah lüthi (08.02.2018)

liebes mensch,

in dieser sendung ist eliah lüthi bei uns im studio zu besuch & wir diskutieren über psychiatrisches verRücken, psychopathologisierung, über widerständige aktivistische & akademische auseinandersetzungen mit diesen, wie mad studies & psychiatriekritik & de_pathologisierungs-bewegungen. wir sprechen auch darüber, wie verhalten, fühlen & wahrnehmen normiert wird & gehen dabei im spezifischen auf psychiatrisches verRücken von gender & den dadurch geprägten diskurs welcher lebensrealitäten von trans* personen mit_gestaltet.


(Re_)Learning Mad Self Love – Ver-Rücktes Selbst_lieben lernen 11. November 2017
als Teil von dem NO LIMITS FESTIVAL im HAU Berlin http://takecare.no-limits-festival.de/

When did I un-learn to love my (Mad) self? When did I learn to understand myself through societal images of the Mad Other? When did I learn to become alien to myself? In a mixture of performance and creative d.i.y.- ❤ suggestions, Eliah invites you on a continuous journey to (Mad) Self Love. It is a journey trying to overcome societal and internalized images that render Mad people unlovable – a journey which imagines self-acceptance as a form of resistance practice. How can we re-connect with our (Mad) selves? How can we connect with others? How can we find new words and images, which arise from love and connection, rather than alienation?

Wie haben wir ver_lernt unser ver-Rücktes Selbst zu lieben? Wann habe ich angefangen mich durch gesellschaftliche Bilder von ver-rückt als a-normal zu verstehen, mich von meiner Norm zu ver-Rücken? In einer Mischung aus Performance und kreativen Übungen, lädt Eliah ein auf eine kontinuierliche Reise zu (ver-Rücktem) Selbstlieben. Dies ist eine Reise, die versucht gesellschaftliche und eigenen Bilder loszulassen, welche ver-Rückte Menschen als nicht-liebenswert herstellen – eine Reise, welche Selbst-Annahme als widerständige Praxis imaginiert. Wie können wir uns mit unserem (ver-Rückten) Selbst verbinden? Uns ent-rücken? Wie können wir uns mit anderen verbinden? Wie können wir neue Worte und Bilder gestalten, die aus lieben und verbinden wachsen, statt aus Ab-Trennungen?


Jattle, BAM + Poetry mit DanceAbility Tirol 21. Oktober 2017 in Innsbruck
https://www.facebook.com/events/122817231734159/

IMPROVISATION MIT TANZ, MUSIK UND TEXT – LIVE
Ohne feste Formen und ohne vorhersehbare Bewegungen treten die Performer_innen miteinander an: gesprochene Wörter beflügeln dabei live produzierte Sounds kontaktieren Bewegungen tanzend Worte. Ein unvorhersehbarer Abend, an dem das Publikum zu Tonabnehmer und Verstärker der erzählten Geschichten wird, bevor es sich selbst spielerisch verstricken darf, oder ist es das bereits? Der Ausgang bleibt gewiss ungewiss.

Tanz: Performer_innen aus Innsbruck, Salzburg, Linz und Wien
Musik: Flo Ryan und Kenneth Gasser
Poetry: Eliah Lüthi
Konzept: Frans Tormer, Christine Schatz, Vera Rosner

pay as you wish


Im Wintersemester 2071/2018 unterrichte ich an der Universtiät Innsbruck das Seminar :
Mad Studies: Psychiatrisches Ver-Rücken verlernen

Psychiatrische Verständnisse, die einige Menschen und Verhalten als Norm definieren und andere von der Norm verRücken, werden meist als natürlich und gegeben verhandelt. Arbeiten aus den Mad Studies und der Psychiatriekritik zeigen, dass dies keineswegs unangefochtene und einzige Wirklichkeiten sind, sondern machtvolle Verständnisse/Konstrukte, die wir in unterschiedlichen Kontexten erlernen. Psychiatrische Weltverständnisse sind demnach Teil von Sozialisationsprozessen.

In diesem Seminar befassen wir (die Seminarteilnehmer_innen) uns mit Texten aus Mad Studies und Sozialisations-Theorien. Dabei gehen wir den Fragen nach: Wie und wo lernen wir psychiatrische (Welt)Verständnisse? Wie hängen diese zusammen mit weiteren Machtverhältnissen und insbesondere  mit Rassismus und geschlechtsbasierter Diskriminierung? Wo lernen wir widerständige Verständnisse von verRückten Positionen und Psychiatrie, welche nicht psychiatrische Verständnisse zentrieren? Wie wirken diese unterschiedlichen Verständnisse auf unsere (Selbst-)Wahrnehmung?